Hoigné-Perret P.

                                                                     

Herzpatient und Höhe: Welcher Herzpatient darf den Ausflug in die Höhe wagen?

Therapeutische Umschau. 2017;74:549-552. 

 

 

Abstract

Auch Herzpatienten können sich an einem Ausflug in die Höhe freuen. Wie sollen wir diese Patienten in unserer Praxis beraten? Welcher Patient soll sich nicht in die Höhe begeben? Um diese Fragen zu beantworten, wurden mehrere Studien durchgeführt. Die Patientenzahlen sind, verglichen mit konventionellen Studien, jedoch sehr gering. Empfehlungen, die aus diesen Studien resultieren, sind als Expertenmeinung zu werten (Empfehlungsgrad C). Aus den hier zitierten Studien ist zu schliessen, dass sich Herzpatienten kurzfristig einer Höhe bis 3000 m exponieren können, wenn sie grundsätzlich ein geringes kardiovaskuläres Risiko aufweisen und im Flachland höchstens an leichten Symptomen leiden. Voraussetzung für den Ausflug in die Höhe ist eine genügend grosse Leistungsreserve. Der Höheneinfluss ist individuell unterschiedlich. Entscheidend ist, dass Herzpatienten mögliche Symptome wahrnehmen, erkennen und vor allem wissen, wie sie bei Beschwerden reagieren müssen. Die Information über den Akklimatisierungsvorgang stellt einen weiteren wichtigen Punkt dar. Während des Höhenaufenthalts sollte aus Sicherheitsgründen immer eine Abstiegsmöglichkeit bestehen. Für Tagesausflüge über 3500 m können keine Empfehlungen abgegeben werden. Es gibt kaum Studien, die den länger andauernden Höheneinfluss auf den Herzpatienten untersucht haben. Es ist empfohlen, die allgemeinen Präventions-Massnahmen der Höhenkrankheit einzuhalten, ab 2000 m langsam aufzusteigen, also die Schlafhöhe weniger als 300 m pro Tag zu steigern. Weiter sollten in den ersten Höhe-Tagen keine körperlich übermässigen Anstrengungen erfolgen. Patienten mit arterieller Hypertonie wird geraten, den Blutdruck regelmässig zu messen und die Therapie gegebenenfalls anzupassen. Nicht vergessen werden darf, dass auch der Herzpatient an höhen- und nicht-höhenbedingten Erkrankungen leiden kann. Der rasche Abstieg ist für alle hypoxiebedingten Beschwerden die beste „Medizin“!

 

 

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